Leber - Holz
Übersetzt von Heiner Frühauf und Markus Goeke
Edition Lingdao, January 2005
Aus Zhou Xuehai, Reflexionen zur Lektüre der
medizinischen Klassiker (Du Yi Suibi), ca. 1895:
„
Derjenige Arzt, der weiß, wie die Leber zu harmonisieren
ist, weiß, wie die Hundert Erkrankungen
zu heilen sind.“
Aus Tang Ronchuan, Abhandlung über Blutstörungen
(Xuezheng Lun), 1884.
„ Sich auszubreiten ist die Natur des Holzes. Die
Transformation des Nahrungs-Qi ist, nachdem die
Nahrung in den Magen gelangt ist, vollständig von
der aus- und verbreitenden Funktion des Leber-Holzes
abhängig. Wenn das reine Yang der Leber nicht steigt, kann es das
Getreide und die Flüssigkeiten
nicht verteilen und Distension und Unbehagen in
der mittleren Region werden die unvermeidliche
Folge sein.
Die Leber ist mit dem Holz verbunden. Das Holz-
Qi ist charakterisiert durch seinen aufwärts gerichteten
Impuls und den ihm angeboren Wunsch gerade
zu sein. Solange der Fluss des Leber-Qi nicht
behindert ist, werden die Blutgefäße offen und unblockiert
sein.
Die Leber ist dasjenige Organ, welches für die Speicherung des Blutes verantwortlich ist. Es kommandiert zudem das ministerielle Feuer (xiang huo). Ist das Blut zureichend, wird dieses Feuer warm, aber nicht heftig sein. Als Ergebnis kann das Blut sanft durch die drei wärmenden Räume des Körpers zirkulieren. Es wird die Poren erreichen und jeder Bereich des Körpers wird aus seiner wärmenden und nährenden Funktion Nutzen ziehen.“
Aus Zhang Xichun, Chinesisch im Innersten, aber
Westlich dort, wo angemessen: Untersuchungen
zu einer integrativen Form der Medizin
(Yixue Zhong Zhong Can Xi Lun), 1933:
„ Leber und Milz funktionieren gemeinsam, indem sie sich gegenseitig unterstützen. Allerdings sind die Leute immer recht schnell damit, darauf hinzuweisen, dass ein Exzess des Leber-Holzes die Milz-Erde schädigen kann und damit eine schädliche Wirkung auf die ordnungsgemäße Verdauung der Nahrung hat. Aber niemand scheint der Tatsache Aufmerksamkeit zu schenken, dass eine schwache Leber das Milz-Qi nicht zirkulieren lassen kann und dadurch ebenfalls Verdauungsstörungen verursacht. Unterhalb verbindet sich die Leber mit dem Meer des Qi [Unteres Dantian, verbunden mit der Niere], was bedeutet, dass die Leber eng mit dem ministeriellen Feuer des Körpers verknüpft ist. Sie kann die Kraft dieses Feuers nutzen, um Erde zu erzeugen. Die Nahrung, die Milz und Magen erreicht, ist von dieser Kraft abhängig, um ‚gegart’ werden zu können. Dies ist es, was gemeint ist, wenn man sagt: Leber und Milz funktionieren gemeinsam, indem sie sich gegenseitig unterstützen.“
Aus Ye Tianshi, Handbuch klinischer Fallgeschichten
(Linzheng Zhinan Yian), 1746:
„ Die Leber ist als beides bekannt: als das Holz-Organ und als das Wind-Organ. Da sie im Inneren das ministerielle Feuer beherbergt, können wir sagen, dass die Struktur der Leber Yin ist, während ihre Funktion Yang entspricht. Ihre Natur ist fest und entschlossen und sie hat die Verantwortung für Bewegung und Aufsteigen. Die Leber ist völlig vom Nieren- Wasser abhängig, um sie zu stützen, vom Blut, um sie zu befeuchten, von der reinen Natur und der absteigenden Funktion des Lungen-Metalls, um sie in Schach zu halten und von der Großzügigkeit des Erd-Qi des Mittleren Palastes, um sie zu nähren. Auf diese Weise ist ein starker und unbeugsamer Charakter gepaart mit einem weichen und harmonischen Körper, was zur ausgeglichenen und fließenden Natur der Leber führt.“
Aus Zhang Huang, Kompendium illustrierter
Texte (Tushu Bian), Ming-Dynastie:
„ Die Leber steht in Beziehung zum Holz. Sie speichert das Blut und beherbergt die Hun-Geister. Unter den sieben Emotionen des Menschen ist einzig der Zorn von intensiver Natur. Er trocknet das Blut und zerstreut die Hun-Geister. Eine Person, die es versteht, die Leber zu nähren, bekommt daher niemals einen Wutanfall.“
Aus Yu Bian, Medizinische Lehren, Fortsetzung
(Xu Yishuo), 1522:
„
Der Klassiker des Weisen Nutzens bemerkt: ‚
Der jahreszeitliches Zyklus der Transformation beginnt
mit der Holzphase. Im Körper wird daher das
Keimen und Nähren des Leitbahnsystems von der
Leber eingeleitet. Während der ersten Monate der
Schwangerschaft zum Beispiel wird der Fötus durch
das Jueyin-Leber-Netzwerk der Frau genährt.’ Die
Leber markiert daher den Beginn des zyklischen
Wirkens, das Erwachen und Entfalten des Frühlings-
Yang, von dem alle lebendigen Dinge als Katalysator
für ihr Wachstum abhängen. Durch das Vermeiden
von Wutanfällen und durch Förderung dieses besonderen Typus
von Yang-Energie, wird sich Dein pränatales Qi für immer fortpflanzen.
Die Leber ist auch für die Farbe verantwortlich, wenn ihr Qi harmonisch
ist, wird der Körper einen gesunden Glanz
haben. Wenn ihr Qi geschädigt ist, wird der Körper
trocken und spröde erscheinen. Das Nähren der
Leber bedeutet daher vor allem, von Zorn und Wut
Abstand zu nehmen. Dies ist der Schlüssel für das
Erhalten guter Gesundheit.“
Aus Yang Jizhou, Großes Kompendium der Akupunktur
und Moxibustion (Zhenjiu Dacheng),
ca. 1590:
„
Die Augen repräsentieren die Öffnungen der Leber.
Wenn eine Person ihre Augen schließt und einschläft,
kehrt das Blut zur Leber zurück. Von dort
aus wird es zu den Augen weitergeleitet, die Sehfähigkeit
resultiert daraus. Wenn eine Person schläft,
dann brennt das namenlose Feuer im Inneren gedämpft,
um sich zu revitalisieren. Schlaflosigkeit
verursacht durch ein Kälte-Mangel-Muster der Gallenblase
wird begleitet von Symptomen wie Gedankenflucht
und einem Gefühl extremer mentaler
Müdigkeit. Exzessive Hitze in der Leber führt typischerweise
dazu, dass eine Person zu viel schläft, was seinerseits dazu führt,
dass der Spiegel der Intelligenz verstaubt und die Wurzel guter Gesundheit
verdirbt. Keiner dieser Zustände ist klarerweise
das Resultat einer richtigen Ernährung von Leber
und Gallenblase, noch der angemessene Weg, die
Schlafdämonen zu bändigen.
Dies ist, was Du tun solltest: werde nicht zornig, lege Dich während des Tages nicht nieder und achte darauf, immer den Körper zur Ruhe zu bringen, nicht aber den Shen. Schließlich ist die Essenz des Schlafes die Seele des Körpers. Wenn Du es einrichten kannst, wenig zu schlafen, dann wird der Gebieter des Geistes hell strahlend und wachsam sein. Nicht nur, dass Dein Shen Qi frei und rein fließt, Du wirst auch nicht von Träumen gestört sein. Immer wenn Dich ein Schlafbedürfnis überfällt, stützt das Blut zum Herzen und veranlasst den ursprünglichen Shen seine Wohnstatt zu verlassen. Die Wolken werfen dann düstere Schatten über das himmlische Reich des Geistes und der Shen selbst verdüstert sich und verliert seine Bewusstheit, ebenso wie sein Domizil.
Der taoistische Meister Zhang Sanfeng sagte einmal:‚
Ergreife den Traum im Traum; betrachte die
Dunkelheit innerhalb der Dunkelheit. Seitdem ich
das Gesicht des Mädchens sah, kann ich glücklich
das Paradies, Penglai, betrachten, direkt vor meinen
Augen. Dies ist genau das, was ich meine!’ Das
Neijing bemerkt darüber hinaus: ‚Die drei Monate
des Frühlings sind die Periode des Anfangs;
Himmel und Erde werden geboren und alle lebendigen
Dinge erblühen. Stehe früh auf, gehe im
Hof spazieren, löse Dein Haar und entspanne Deinen
Körper. Indem Du dies tust, erzeugst Du mentale
Stärke und handelst in Harmonie mit dem Qi
des Frühlings und folgst so dem Weg das Leben
zu nähren. Lebst Du diesem Prinzip entgegengesetzt,
wirst Du Deine Leber schädigen.’ Jedermann
sollte sich dieser grundlegenden Prinzipien bewusst
sein.“
Aus Cai Luxian, Chinesische Medizin und Pharmakologie:
Eine Sammlung (Zhongguo Yiyao
Huihai), 1936:
„ Die Gallenblase speichert die essenziellen Flüssigkeiten. Daher wird sie ‚Generalstabschef’ genannt und das ‚Lagerhaus der Essenz.’ All die Organe sind von trüber Natur, einzig die Gallenblase klar. All die anderen Fu-Organe werden ‚Gedärme, verantwortlich für den Transport’ genannt oder so ähnlich; nur die Gallenblase wird nicht als Transporteur bezeichnet, sondern ragt als ‚Lagenhaus’ hervor. Sie ist ein Fu-Netzwerk (Transport-Netzwerk), hat aber die Charakteristika eines Zang-Netzwerkes (Speicher- Netzwerkes).“